Januar ist so gut wie vorbei und die ersten Wochen im neuen Job habe ich hinter mir.
Das Buero ist klasse, die Kollegen und Chefs nett und jeder ein Charakter - Langeweile wird bestimmt nicht aufkommen. Alles sehr familiaer und ganz irische gibt es ausser der Mittagspause noch eine vormittagliche und nachmittagliche Teepause. Das kenne ich ja aus frueheren Zeiten so gar nicht. In der Mittagspause wird der AB angestellt und es herrscht Pause - Ruhe. Irgendwie cool. Dazwischen wird hoch konzentriert gearbeitet, kein rumgedallere. Gefaellt mir gut.
Mittlerweile habe ich auch 3 Projekte auf dem Tisch, Hausumbauten im groesseren Stil und eine Kirche. Das Klientel ist eine ganz andere Klasse und ich schwanke zwischen Faszination und Ekel wie man einen Betrag der unsere Miete fuer ein halbes Jahr abdecken wuerde fuer einen Wasserhahn ausgeben kann. Oder wie Leute ein 3. Ferienhaus einrichten, in dessen gesamtes Erdgeschoss meine Wohnung passen wuerde. Und von den sehr professionellen und netten Klienten bis zu diesen Neureichen, die denken ein jeder waere ihr Fussabtreter, sind mir alle Facetten Menschen innerhalb von 4 Wochen unterkommen. Mir faellt wieder einmal auf, dass Familien in denen schon immer Geld war, meist eine sehr professionelle, hoefliche, offene Herangehensweise haben, waehrend viele "Neu" oder "Neuerb"reiche so gar keine Manieren vorweisen, verschwenden um protzen zu koennen und oft das Geld ausgeben, das sie selber sich nicht erarbeitet haben.
Und doch macht es Spass mit grosszuegigeren Budgets arbeiten zu koennen. Und wie gesagt faszinierend ist es auch. Mittlerweile bin ich statt 12 auch nur noch 11h ausser Haus, schon mal ein Plus und ich hoffe, dass es in Zukunft noch ein bisschen flexibler wird und ich der Cloud sei dank auch von zu Hause arbeiten kann. Denn so schoen der neue Job auch ist. 5 Tage die Woche kaum Zeit mit meinem Kleinen verbringen zu koennen, das ist hart. Das schlechte Gewissen zwackt, dabei macht der Papa seine Sachen prima. Meist mache ich meine Luetten morgens noch fuer den Tag fertig, gebe ihm seine Morgenflasche und kuschel oder spiele ein bisschen mit ihm, dann muss ich los, abend bin ich meist rechtzeitig fuer die Abendflasche zu Hause, ein bisschen Vorlesen, Erzaehlen und Kuschel und mehr ist nicht drinne. Oft tut mir mein Herz sehr weh, aber anders geht es im Moment mit mir als Hauptverdiener nicht. Mein Mann arbeitet am Wochenende und abends und falls die Granny den Kleinen mal ein paar Stunden nehmen kann.
Es ist nicht einfach, aber es ist nun mal so wie es ist und in diesen Zeiten sind wir froh unser Auskommen zu haben und ich auch wieder ein interessantes Arbeitsfeld.
Noch ein Nachteil - aufgrund der unguenstigen Lage des Bueros nehme ich den Bus und ich hasse Busfahren (Zug ja, Strassenbahn ja, Bus nein) und die Vorkommnisse der letzten Woche geben mir recht. Normalerweise dauert die Fahrt ungefaer 45 min. Zweimal diese Woche ist es vorgekommen, dass ich aufgrund von Unfaellen erst nach 2.5!h zu Hause war. Abends um 8! Der Junge schlief tief und fest und ich konnte ihn nicht mal druecken. In Zukunft werde ich zu mehr deutschen Arbeitszeiten umsteigen. Morgens frueher anfangen und abends frueher gehen. Das ist zwar nicht so gern gesehen, aber war ja teil des Vorstellungsgespraeches und wie gesagt Cloud sei Dank muss doch so ein Nachmittag/ Abend Homeoffice einmal die Woche drinne sein. Wir werden sehen.
Dem Luetten gehts praechtig, er hat seinen 9 Monate TUEV super bestanden, brabbelt und erzaehlt den ganzen Tag (ich schwoer das hat er nicht von mir), isst wie ein Scheuendrescher, trinkt eher weniger, ist sehr neugierig, ein eifriger Krabbeler, noch eifriger Hinsteller und am Sofaentlanghangeler, Mittagschlafhasser und Allesauseinandernehmer. Nagut mittlerweise probiert er sich auch wieder im Zusammenstecken und manchmal klappt es auch. Temperament hat er. Wenn mal was nicht funktioniert, wird laut geschimpft. Vor kurzem waere er trotz Anschnallen fast aus seinem Hochstuhl entkommen, er hing gerade noch so im Riemen und mir ist fast das Herz stehen geblieben. Alles was er macht, macht er mit viel Energie und Einsatz und man muss die Augen ueberall haben. Er lacht viel und freut sich an allem, beobachtet wie ein Luchs. Und letzten Sonntag als der Skypainter nach der ersten Nacht in Wochen in der er mit Freunden mal ein (wohl eher 3) Guiness trinken war ein bisschen ausschlafen wollte, hatte ich die Idee ihn am spaeten Vormittag mit einer suessen Kinderumarmung zu wecken. Prompt gedacht und ausgefuehrt habe ich Mini-us zum Mann ins Bett gelegt, komplett unaware, dass der Kleine ja noch ein Holzpuzzleteil in der Hand hatte. Es gab einen sehr unangenehmen Wake oder Wack up call, der in einer blutenden Wunde auf dem Nasenruecken des Skypainters endete und ich grausame Ehefrau musste auch noch Lachen. Der arme Mann. Das sanfteste aller Kinder ist Luetten-Us bestimmt nicht. Nix mit suesser Kinderumarmung. So, das waren Arbeit, Kind und Mann und ich selbst?
Ich kaempfe um den rechten Ausgleich aller Lebensbereichen, dem ewigen schlechten Gewissen einer Vollzeit arbeitenden Mutter, die mit Freude zu ihrer Arbeit geht und zu weniger Bewegung. Doch Stueck fuer Stueck wird sich alles fuegen. Partnerschaftlich sind wir wieder staerker zusammengewachsen und machmal ist es wie in den ersten Monaten unserer Beziehung. Mit staendig chemischen Knistern und weichen Knien. Es ist zwar nicht mehr viel Zeit fuer einander, aber wir geniessen sie intensiver. Daher denke ich, alles andere wird sich auch finden.
10 Jahre, bald sind es 10 Jahr uns und 1Jahr uns+. Wahnsinn. Das war damals so nicht geplant. Aber wie stand auf einer dieser Spruchpostkarten: Leben ist das was passiert, waehrend man andere Plaene macht. Oder so aehnlich.
Danke Elisabeth fuer die lieben Gruesse.
Slainte Euch allen da draussen, ich trinke jetzt noch ein nettes Glas Whiskey und dann geht es ab ins Bett und in den naechsten Monat.
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