Sunday, September 15, 2013

A great summer to be had, leise Abschiede

Ein wunderschoener warmer irischer Sommer, wie ihn auch die Iren nicht kannten, liegt hinter uns. Ich ertappe mich dabei, den beginnenden Herbst mit offenen Armen zu Empfangen, die frische Luft auf der Haut, die Sonne noch immer so warm und doch schon Kaelte in den Schatten.
Heute sind wir am Fluss spazieren gewesen. Er floss noch immer munter zwischen gruen belaubten Baeumen hindurch. Die Sonne zauberte Schattenspiele aufs Wasser, fast meinte man Melodien zu hoeren, ein leises sanftes Klingen wie von einem Windspiel, vereinzelte schimmerte roter Lehmboden zwischen dem Geroell hervor. Doch gelbe Blaetter auf dem schwarzen Wasser zeigen, dass es bis zur Kaelte und langen Naechten nicht mehr weit ist.
Fruehherbst, Altweibersommer, Indian summer taucht mich jedes Jahr wieder in eine willkommende Melancholie. Zufriedenheit mit der Sonne und Fuelle der vergangenen Monate, ein erfuelltes Abschiednehmen, ein bisschen Sehnsuch nach Feuer, Waerme, Naehe, Winterkuscheln.
Diese unbaendige Lebensgier des Sommers, dieses gierige Stopfen mit Leben, laesst etwas nach. Ein bisschen ist es wie wenn man mit gut aber nicht zu viel gefuelltem Bauch nach dem Essen die Beine ausstreckt und vielleicht noch einen Kaffe trinkt. Hektik und Gier lassen nach.
In der Luft liegt schon vereinzelt der Geruch von Holzfeuern. Bald werden in alten Gefilden wieder die Laute ziehender Gaense zu hoeren sein und wie jedes Jahr reist ein kleines bisschen von mir mit ihnen.
Mein Herz dehnt sich weit aus, meine Lungen atmen klare Luft, in mir ist alles gross und weit.


______________________________

Es ist ein seltsames Jahr dieses Jahr 2013. Unser  langersehnter kleiner Junge ist bei uns eingezogen und wir sind sehr verliebt. Ein Sonnenscheinchen, ein kleiner Eigensinn hat er unser Leben doch sehr auf den Kopf gestellt. Wir sind noch immer wir und doch ganz anders. Er das Gleichgewicht unserer Beziehung zum Wackeln gebracht und wir muessen vorsichtig und mit viel Gefuehl neue Definitionen und Verantwortlichkeiten fuer uns finden. The tune has changed, we changed. Es gibt uns die Chance neue Seiten an uns zu entdecken, wenn wir es schaffen die Veraenderungen zu akzeptieren. Wir tasten uns langsam vor auf unbekannten Gebiet, suchen nach neuen Woertern und Gesten und Staunen ob der vielen Aspekte, die wir noch nicht kannten. Derweil zeigt uns unser Umfeld auf wie zerbrechlich und kostbar eine Beziehung ist. Wie behutsam man mit ihr umgehen muss, sie nicht vernachlaessigen. Ich erkenne Bilder lang vergangener Jahre wieder und mir blutet das Herz, weiss ich das an diesem Punkt angekommen, es schon fast zu spaet ist. Einer hat sich davon gestohlen und der andere hat es nicht gemerkt. Diese Wut, die sich aufbaut, wenn man Zeichen sendet, die nicht verstanden werden, dieses Loesen und Abnabeln, sich in einen Kokonspinnen, dieses nicht an einen Heranlassen, die Haerte die sicht einstellt. Und wie soll man doch wieder eine gemeinsame Sprache finden, wenn einer sich abkapselt, das Herz verschliesst und die Finger in die Ohren steckt. Auch in mir ist nach all den Jahren noch etwas von dieser Wut, Haerte und Ohnmacht. Eine nie ganz verheilte Wunde. Ich bitte fuer die beiden und vor allem fuer Ihn, der nicht versteht, der nicht versteht, dass Frauen irgendwann ihr Herz verschliessen, wenn all die Rettungleinen, die sie werfen ins Leere fallen. Es wird gesagt, Frauen waeren weich. Vielleicht, doch wenn es sein muss, koennen wir hart wie Stahl sein, um uns selbst oder andere zu schuetzen.


_______________________________